Ist der Fach­kräftemangel hausgemacht?

Leserbriefe / 26.01.2017 • 20:32 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 24. Jänner 2017.
VN-Bericht vom 24. Jänner 2017.

„Mit zehn haben ‚wir‘ es nicht ins Gymnasium geschafft, mit 14 muss es mit der höheren Schule klappen!“ Infoveranstaltungen und Medienberichte haben damit ganze Arbeit geleistet: Modellregion Vorarlberg und gemeinsame Schule, was von Schulexperten und Politik als ein Mehr an Chancengerechtigkeit und Förderung transportiert wurde, steigerte zwar das Interesse an höchstmöglicher Bildung, aber auch die Angst, mit dem nicht erreichten Gymnasium oder anderen weiterführen­den Schulen zukünftige Chancen und beruflichen Aufstieg verpasst zu haben. Motto: Eine Lehre nach der Schulpflicht – nein danke. Lieber zuerst eine höhere Schule probieren, wenn’s die Noten noch irgendwie möglich machen, auch wenn man mit Schule und Lernen gar nicht so viel am Hut hat. Matura, Studium und daraus resultierend Karriere mit fettem Verdienst, so sehen die logischen Steigerungs­stufen in vielen Familien aus. Karriere wird mit allem, nur nicht mit einer Lehrausbildung verbunden. Erst wenn schulisch gar nichts mehr geht, muss auf die Schnelle eine Lehrstelle her. Dass auch eine Lehre den Zugang zu höheren Bildungsebenen ermöglicht, ist ebenso oft unbekannt wie die Berufsmatura. Fazit: Erst wenn eine Lehrausbildung als gleichwertige Alternative in den Köpfen der Schüler­eltern verankert ist, werden die Schulübergänge bei zehn oder 14 Jahren entspannter gesehen. Und ganz nebenbei wäre der Fachkräftemangel kaum mehr ein Thema.

Herwig Orgler,
Dr.-A.-Heinzle-straße,

Götzis