Ist das Thema Kopftuch eine rein religiöse Frage?

17.03.2017 • 17:28 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wann darf sich der neutrale Staat in religiöse Fragen – in diesem Fall bei der Kleidung – einmischen? Es handelt sich um eine Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Grundsätzlich gilt die Regel: Wenn eine religiöse Vorschrift oder ein Verhalten das zwischenmenschliche Zusammenleben oder gar die Grundlagen des Staates gefährdet, ist der Staat verpflichtet, für Ordnung sorgen. Im Falle des Kopftuchs muss der diskriminierende Charakter dieses Kleidungsstücks gegenüber der Frau in Betracht gezogen werden. Das Bedürfnis, ein Kopftuch zu tragen, mag dem religiösen Gefühl und dem subjektiven Glaubensbekenntnis mancher Frauen entspringen. Dieses subjektive Empfinden kann aber die objektive Bedeutung des Kopftuchs im Islam nicht aufheben. Außerdem sind subjektive Wünsche und Bedürfnisse dem allgemeinen Wohlergehen der Bevölkerung nachzuordnen. Das Allgemeinwohl hat Vorrang vor dem Wohl und der Freiheit des einzelnen Indivuums und irgend einer Religionsgemeinschaft. Und hier darf der Staat nicht neutral sein, weil er für das Allgemeinwohl der Bevölkerung verantwortlich ist. Die Ansicht des Vorsitzenden der nationalistischen Bewegung Milli Görus, Kemal Ergün, es handle sich um einen „staatlichen Übergriff“ und „Muslime seien darin frei, selbst festlegen zu dürfen, was sie für ihre Glaubensausübung als verpflichtend erachten und was nicht“, ist in dieser Angelegenheit zurückzuweisen.

P. Bernhard Kaufmann,

Jennen,
Dornbirn