Geistige Bindung wird dünner

Leserbriefe / 05.04.2017 • 17:28 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wer seine Tageszeitung durchgesehen hat, fühlt sich einigermaßen im Bild. Am Samstag findet man in den VN den Artikel eines Geistlichen, der zum Sonntags-Evangelium oder zu einem Tagesthema seine Gedanken ausbreitet. Da nur noch ca. zehn Prozent der Kirchenmitglieder die Sonntagsgottesdienste besuchen, versucht die Kirche auf diesem Weg Kontakt zu halten, denn die geistige Bindung wird immer dünner. Dagegen ist das „Eventleben“ intensiv, die Wirtschaft dringt mit einer aufdringlichen Werbung und als Geldgeber vieler Kultur-Aktivitäten in die geistige Bewusstseinswelt der Individuen. Nicht umsonst redet man von Konsumtempeln, die am Wochenende großen Zulauf haben. Die Kultur ist ein Gebäude mit Stockwerken, im Parterre findet man den Sport und das Event-Gewerbe, die als Freizeitgestalter aktiv sind. 2006 gab es eine größere Meinungsumfrage in Deutschland und Österreich: Nur noch 47 Prozent glauben an einen Gott, 66 Prozent waren damals noch Kirchenmitglieder. Jedes Jahr verlassen ca. 1,5 Prozent die Kirche, in 20 Jahren wird die Kirche weniger als 40 Prozent der Bevölkerung haben. Dann werden die Privilegien fallen und dieses alte System auch. Der ewig verdammende Kirchengott ist ein toter Gott. Der wahre Gott ist ein freier Geist, der freie Menschen liebt, die eine wirkliche Beziehung zu ihm und seiner Schöpfung haben.

Josef A. Schmidt,

Am Rain,

Nenzing