Eschenrodung muss gestoppt werden

10.04.2017 • 18:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Seit einigen Jahren grassiert in Europa eine eingeschleppte, aggressive Pilzepidemie, die die heimischen Eschen befällt: das vielerorts sichtbare Eschentriebsterben. Deshalb werden – pflichtbewusst und vorauseilend – gleich alle Eschen gefällt, denn solange der Bodenpilz Hallimasch nicht eingedrungen ist, bringt Eschennutzholz gutes Geld. Wie in Vorarlberg aber erneut gehandelt wird, erinnert an das vorschnelle und falsche Vorgehen anlässlich des Feuerbrandbefalls der wertvollen Hochstamm­obstbäume, die zu Tausenden vernichtet wurden.

Unsere Nachbarn im Appenzell und Allgäu haben das nicht gemacht. Es hat sich abermals gezeigt, dass sich kranke Bäume zur Wehr setzen können, mit langfristigen Strategien ihren Befall besiegen und gesunden können. Rund zehn Prozent der Eschen können den Befall überleben, sind oder werden resistent, bilden zukunftsfähigen Samen. Aber nur, wenn sie weiterleben dürfen. Durch rigoroses Fällen ganzer Bestände wird dies aber verhindert. Der Sicherheitsaspekt spielt meistens nur eine vorgeschobene Rolle. Ich erinnere an das Waldsterben der 80er-Jahre. Dank tiefgreifender Luftreinhaltemaßnahmen wurde dieses gestoppt und die meisten erkrankten und alten Bäume haben sich erholt oder gesunden Nachwuchs hinterlassen. Ich plädiere diesmal für Augenmaß und im Zweifelsfall immer für den Baum. Die Tragweite von Baumfällungen werden regelmäßig unterschätzt, es dauert 80 Jahre, bis deren Wirkung und Wert hergestellt ist. Wer kann so lange warten?

Conrad Amber,

Badgasse, Dornbirn