Verordnete Freundlichkeit

20.04.2017 • 16:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ems isch üsa – oder kommt der Grußzwang wieder? Die neue Vision der Blauen heißt verordnete Freundlichkeit. Jeder soll jeden in dieser Stadt grüßen und freundlich sein wie sonst nirgends im Lande. Aber wie soll die Dressur gelingen? Na, sie hat schon begonnen: Bodo Jannsen aus dem hohen deutschen Norden läutete den Eröffnungsakt mit öffentlichem Vortrag der Stadt ein: Ein sehr erfolgreicher Gastronomieunternehmer, der sich in der Lebensmitte vom Saulus zu Paulus wandelte. Als er spürte, wie ihn alle für seine Selbstsucht hassten, wechselte er die Strategie: Also stellte er eben das «allen gefallen» in den Mittelpunkt seiner Selbstsucht – und bekam blaue Bewunderer in Ems. Aber es soll nicht dabei bleiben. Neben dem Eröffnungsvortrag werden im Budget 2017 vom Bürgermeister 50.000 Euro für die kollektive Erziehung fix eingeplant. Grüßen und freundlich sein soll nicht länger eine individuelle Freiheit jedes Einzelnen sein. Man soll nicht lediglich grüßen, wen man kennt oder schätzt – oder wie es gerade der Stimmung entspricht. Die Dressur der Hohenemser soll jeden Schüler und Bürger auf der Straße erreichen. Ob die muslimischen Kinder auch auf Deutsch «Grüß Gott» sagen sollen?

Klaus Begle,

Bergstrasse, Hohenems