Kinderbetreuung in Familie

25.04.2017 • 16:22 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum VN-Bericht „Frühe Bildung als gutes Sprungbrett“, vom 22. April:

In diesem Artikel sieht ein staatlich alimentierter Hochschulpädagoge einen Nachholbedarf an Fremdbetreuung von Kindern zwischen null und drei Jahren, mit der Begründung, dass Familie sich verändere. Unterschlagen wird dabei, dass Familie sich verändern soll – hin zu deren totalen Ökonomisierung. Die EU-Kommission verschweigt dies nicht. Z. B. ist in einem Ihrer Berichte zum Ausbau der Betreuungseinrichtungen („Barcelona-Ziel“) von 2013 klipp und klar vom Ziel der „Erhöhung der Erwerbstätigenquote“ die Rede, von „Verbesserung des Fachkräfteangebots“, „Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit“ und dem Sich-Auszahlen staatlicher Bildungsinvestitionen. Ein kleiner Hinweis darauf liefert sogar der Artikel selbst mit der Wortwahl: „bessere Arbeitnehmerinnen“.

Es geht nicht, wie suggeriert, ums Wohl der Kinder, sondern um Wirtschaftsinteressen, seltsam gepaart mit marxistischer Gesellschaftsideologie. Die Gewährleistung der Qualität der Fremdbetreuung ist zudem reines Wunschdenken: Gerade jetzt hat z. B. die Berliner Jugendsenatorin die Anforderungen an Kindertagesstätten-Mitarbeiter gesenkt. Nun darf jeder dritte (statt zuvor „nur“ jeder vierte) eine nicht ausgebildete Kraft sein. „Wer von klein auf eine gute Betreuung genießt, tut sich laut Studien in der Schule leichter und ist auch sozial gefestigter“, heißt es im Artikel. Richtig. Und gute Betreuung dürfte für die allermeisten Kinder in deren Familien selbst am besten gewährleistet sein.

Markus Hofmann,
Hanggasse, Dornbirn