Wahltaktische ­Seifenblasen

Leserbriefe / 23.06.2017 • 19:20 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

So funktioniert sie also, die „Liste Sebastian Kurz – die neue ÖVP“. Nicht nur viele, die sich innerparteilich noch Aufstiegschancen ausrechnen, ergehen sich in Lobhudeleien über jede Seifenblase, die via Sebastian Kurz das Licht der medialen Öffentlichkeit erblickt. Die leicht kolonial angehauchten Seifenblasenträume von Flüchtlingslagern in Georgien,­ Ägypten und Tunesien teilen das Schicksal aller Seifenblasen, das weiß auch der kluge Sebastian. Obwohl, wenn man einen Politiker designen könnte, der dem gerade vorherrschenden Zeitgeist schmeichelt, käme zweifellos Sebastian Kurz heraus; unaufgeregter Opportunismus, in gefälliger Verpackung, eloquent serviert – da kann man nicht meckern. Das hat man sich bei der selbsternannten Heimatpartei rund um Strache auch anders vorgestellt. Da hat man jahrelang mit Parolen, wie „Daham statt Islam“, „Abendland in Christenhand“ usw., den Acker der Ressentiments gedüngt, und jetzt fährt möglicherweise der rechts überholende Kurz die Ernte ein. Ausgerechnet jener Herr Kurz, der noch 2015 (als Victor Orban schon den Nato-Draht ausrollte) die Botschaft verkündete: „Der Islam gehört zu Europa.“ Die bunteste aller Kurz’schen Seifenblasen ist wohl die der „klügsten Köpfe des Landes“, welche nun Schlange stehen, um sich unter liebevoller Leitung von Sebas­tian in die Niederungen des politischen Hickhacks führen zu lassen. Das, mit Verlaub, glauben nicht einmal die naivsten Zeitgenossen.

Peter Morstein,
Dollaweg, Tschagguns