Ein Held namens

Leserbriefe / 29.03.2018 • 19:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bartali

Wenn die Giro d’Italia heuer in Jerusalem startet, führt die erste Etappe am Holocaustmuseum vorbei. Diese Etappe wird Gino Bartali, geb. 1914, einer italienischen Radfahrlegende der Zwischenkriegszeit, gewidmet, dessen Namen dort verewigt ist. „Ginettaccio“ gewann drei Mal die Giro d’Italia und zwei Mal die Tour de France. Er war ein nationales Idol, das Mussolini gerne als Aushängeschild missbraucht hätte. Der Katholik war sehr sozial eingestellt. Seine Stunde kam, als die Nationalsozialisten 1943 mit der Deportation der norditalienischen Juden begannen. Er wurde vom Florentiner Kardinal Elia Dalla Costa gebeten, sich einem geheimen jüdisch-christlichen Netzwerk anzuschließen, um verfolgten Juden und anderen zu helfen. Zahlreiche Kirchen und Klöster nahmen diese Menschen auf. Gino Bartali verteilte an Juden gefälschte Ausweispapiere und rettete so ihr Leben. Als Radsportler radelte er kreuz und quer durch Italien. Gleichzeitig schmuggelte er Fotos und gefälschte Dokumente für die Bedrohten. Er blieb wegen seiner Berühmtheit meist unbehelligt. Er versteckte auch eine befreundete jüdische Familie in seinem Haus und brachte eine Familie in einem Fahrradanhänger in die Schweiz. Erst in den letzten Jahren wurden seine Heldentaten bekannt. In seiner Bescheidenheit sprach er nie darüber. Es sagte, er wolle nur für seine sportlichen Erfolge in Erinnerung bleiben. Er sei kein Held.

Dr. Wolfgang Hämmerle,

Mühlefeldstraße, Lustenau