Lehren aus der
Vergangenheit

Leserbriefe / 29.03.2018 • 19:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dieser Tage wurde in der ganzen Republik der Ereignisse des 12. März 1938 gedacht. Ich möchte nun gewiss nicht die Sinnhaftigkeit, ja Notwendigkeit solchen Erinnerns in Zweifel ziehen, erlaube mir aber die Frage, ob der Erkenntniswert und die präventive Schutzwirkung dieser Lehren aus der Vergangenheit nicht überschätzt werden. Denn an und für sich gilt: Die Geschichte wiederholt sich nicht, sie verwendet ungern zweimal dasselbe Skript. Sollte un­ser Gemeinwesen politisch und ethisch-moralisch vom Weg abirren, dann würde sich das eher nicht wieder so abspielen, dass gewaltbereite Uniformierte durch die Straßen ziehen, sondern auf irgendeine Weise, die uns jetzt noch verborgen ist. Dazu folgendes Erlebnis: Ich habe kürzlich, seit Ewigkeiten wieder einmal, die „Öffis“ benutzt. An der Haltestelle musste ich feststellen, dass aus dem banalen Warten von einst eine neuartige Erfahrung geworden ist. Um mich herum saßen und standen fünf reglose Gestalten. Nach ein paar Augenblicken des Erstaunens war klar: jessas na! Die hängen ja am Tropf, die sind ja alle ferngesteuert! Jede und jeder hatte das Mobiltelefon in Händen und war in den kleinen Bildschirm vertieft. Wo mag das hinführen? Mein Fazit zum Gedenktag: Die menschliche Gesellschaft bleibt eine unberechenbare, um nicht zu sagen gefährliche Einrichtung.

Bohuslav Birka,

Sandquelle, Dornbirn