Wie man den Papst hintergeht

Leserbriefe / 29.03.2018 • 19:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 6. März 2018.
VN-Bericht vom 6. März 2018.

Selten hat etwas die Diskussionen unter engagierten Katholiken so aufgewühlt wie die Aussagen des türkisen Kanzlers, der Papst hätte Verständnis für die „österreichische“
Flüchtlingspolitik gezeigt. Interessant wäre zu wissen, wovon Kurz denn eigentlich in seiner 35-minütigen Privataudienz geredet hatte. Vielleicht davon, Geflüchtete aus dem Mittelmeer zuerst auf einer Insel oder in Georgien oder in Serbien
zwangszuinternieren, bevor sie einem rechtsstaatlichen Verfahren zugeführt werden könnten? Oder davon, im Mittelmeer die Hilfe der NGOs zu unterbinden, die Ertrinkende aus dem Meer zu retten versuchten? Oder davon, dass sich Österreich in Zukunft der europäischen Solidarität verweigert, alle Geflüchteten gerecht unter gleichen Aufnahmebedingungen in den EU-Staaten zu verteilen, und dass sich seine türkis-blaue Regierung den Visegrad-Staaten anschließt, die eine solidarische Flüchtlingspolitik blockieren? Oder davon, dass Österreich dafür eintritt, dass Italien und Griechenland selbst und notfalls allein mit den Flüchtlingsankünften aus dem Mittelmeer fertigwerden sollen? Oder davon, dass er in Österreich Sozialstan­dards so weit hinunterfahren will, dass Migrationsexpert(inn)en ganz dringend notwendige Mittel zur Integration für Geflüchtete gefährdet
sehen? Oder davon, dass „seine“ österreichische Regierung den Instan-
zenweg von Geflüchteten extrem beschränken will, damit keine Beschwerde mehr von erstinstanzlich nicht Anerkannten beim Verfassungsgerichtshof zulässig sein soll? Nichts von dem hat der Papst zugestimmt. Eine gute Osterbotschaft.

Andreas Postner,

Köhlerstraße, Rankweil