Köhlmeier redet Klartext

07.05.2018 • 16:50 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 5. Mai 2018.
VN-Bericht vom 5. Mai 2018.

Für seine Gedenkrede zum 5. Mai, dem nationalen „Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialis-
mus“, wurde Michael Köhlmeier von der türkis-schwarz-blauen Regierung gescholten. Der Autor positionierte sich gegen Antisemitismus,
Rassismus und Ausgrenzung und sagte: „Sie wissen doch, dass es auch damals solche gegeben hat, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben.“ Es ist naheliegend, das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer heute mit der internationalen Flüchtlingspolitik 1933 ff. zu vergleichen. Im Juli 1938 erhöhten die Staaten bei der Konferenz von Evian ihre Flüchtlingskontingente nicht und schickten damit Zehntausende deutsche und österreichische Juden und Jüdinnen mit ihren Kindern in den Tod.

Im Frühjahr 1939 konnten nur 29 von 937 Passagieren in Kuba das Flüchtlingsschiff „St. Louis“ verlassen – die anderen vor den Nazi Flüchtenden sollten nach Deutschland zurück. Auch US-Präsident Roosevelt ließ sich nicht erweichen, denn „Flüchtlinge“ aus „dem Reich“ störten seinen Wahlkampf. In den US-Meinungsumfragen war der Großteil
gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Europa. Die Verzweifelten auf der „St. Louis“ drohten mit Massenselbstmord – so wurden sie doch noch in Belgien, Frankreich, Großbritannien und in den Niederlanden untergebracht. Vergeblich: Die meisten wurden 1940 ff. Holocaust-Opfer.

Dr. Werner Bundschuh,

Schloßgasse, Dornbirn