Krankenkassen zentralisieren?

09.05.2018 • 16:57 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 24. April 2018.
VN-Bericht vom 24. April 2018.

Der Pionier der Vorsorgemedizin in Vorarlberg, Dr. Leopold Bischof, hat sich angesichts der gegenwärtigen Diskussion zur Krankenkassenzentralisierung im Grab umgedreht. Beispiele gefällig? Das Mammographie-Screening ist auf Grund einer miserablen Kommunikation mit Frauen und Ärzten österreichweit zumindest vorübergehend eingebrochen. Ein zweites: In Vorarlberg haben Gebietskrankenkasse und Ärztekammer auf Initiative der Krebshilfe ein risikoangepasstes Programm zur Prostatakrebsfrüherkennung ausverhandelt. Dieses beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen, bringt weniger Angst, Blutabnahmen und Eingriffe. Das Programm ist medizinisch und gesundheitsökonomisch sinnvoll. Doch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger hat es mit der Begründung der Harmonisierung der Leistungen für alle Österreicher im Sommer letzten Jahres abgelehnt, statt dieses allen Bundesländern zu empfehlen. Wissenschaftliche Argumente wurden nicht gehört. Es ist hinreichend bekannt, dass wesentliche Innovationen von unten kommen. Bei einer weiteren Zentralisierung würden zielführende Projekte im Keim erstickt. Dann noch von Selbstverwaltung zu reden klingt fast wie ein Hohn. Zuerst sollte man über Inhalte sprechen, wie Zielsetzungen und einheitliche Formulare. Türschilder und Briefköpfe zu wechseln ist zu wenig. Statt der propagierten Verwaltungseinsparung
ist eine Überblähung zu befürchten.

Prof. Dr. Gebhard Mathis,

Dr. Summer-Straße, Rankweil