Die Geister,
die ich rief . . .

Leserbriefe / 23.06.2014 • 19:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Lange habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt schreiben soll. Denn eigentlich ist mir zum Schimpfen zumute. Die jetzige Situation im Irak und ebenso in Syrien war nämlich voraussehbar und großteils das Ergebnis überheblicher und zugleich korrupter westlicher Politik. Um angeblich demokratische Entwicklungen in die Wege zu leiten, haben allen voran die USA die Gegner des syrischen Präsidenten sowohl ideologisch als auch mithilfe von Waffenlieferungen über Saudi-Arabien unterstützt. Ebenso hat die EU letzten Sommer das Waffenembargo für den Widerstand in Syrien aufgehoben. Wie viele Waffen den Terroristen geliefert wurden, wird die Öffentlichkeit nie erfahren. Der Massaker im Irak hätte es nicht bedurft, um zu beweisen, dass hier der Westen allerschlimmste Verbrecher und Terroristen unterstützt und fördert. Das Absurde der Geschichte besteht wohl darin, dass man nun mit jenen Waffen bekämpft wird, die man vorher geliefert hat. Europa befindet sich selbst schon am Anfang des Dilemmas, das es sich selber eingebrockt hat. Bekanntermaßen war jener Terrorist, der die Morde in einem jüdischen Museum in Brüssel beging, ja ein Mitglied der ISIS, für die er in Syrien schon gekämpft hat. Wieviele dieser Terroristen werden noch in ihre Heimat Europa zurückkehren? „Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los”, heißt es schon in Goethes Zauberlehrling. Realpolitisch scheint der vielgeschmähte Putin wohl die geschicktere Hand als die Chaoten aus dem Westen zu haben.

P. Bernhard Kaufmann,
Jennen 2, Dornbirn