„Auf die Kuh
ge­kommen“

Leserbriefe / 25.03.2019 • 18:34 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das tödliche Kuhattacken-Urteil in Tirol bewegt weiterhin die Gemüter. Was bisher dem „Hund“ zugeschrieben war, scheint die „Kuh“ zu werden, nämlich zum existenzbedrohenden Damoklesschwert für die Almbauern. 1839 hat ein Beamter des damaligen Tiroler Guberniums beschrieben, dass die besten Alpen den Milch- und Mutterkühen vorbehalten bleiben müssten und die minder guten Alpen den Pferden, Ochsen und alten Kühen. 180 Jahre später sind die Almen schon lange nicht mehr Freizonen für die Tiere, sie müssen sich die Almgebiete mit Einheimischen und Touristen teilen. Wandern oder das bloße Naturerlebnis sind das beste Verkaufsargument für den Tourismus und die nicht wenige Bauern, die mit der Landwirtschaft alleine nicht mehr das Auslangen finden. Der beklagte Bauer hat für seine Apartmentgäste Almfrühstück inklusive Shuttledienste angeboten, was ihn nach der Entscheidung in erster Instanz zu einer sicheren Einzäunung seiner (Mutter)Kühe verpflichtet hätte. Die überschaubaren Kosten für den Elektrozaun und eine Hinweistafel haben sich der Tourismusverband und der Bauer zwischenzeitlich geteilt. Schnell wurde angekündigt, die „Tierhalterhaftung“ der Bauern zu entschärfen. Der Rechtsprechung ist es (Gesetzes-Novelle 1916) geglückt, die „Tierhalterhaftung“ an veränderte gesellschaftliche Entwicklungen anzupassen. Ja zu Verhaltensregeln und einem Maßnahmenpaket, aber nicht zu einer einseitigen Anlass-gesetzgebung. Die Haftungsfrage hat immer den konkreten Umständen des Einzelfalles, was nur sachgerecht ist.

Dr. Günter Felder, Dornbirn