Einfache

Leserbriefe / 03.05.2019 • 17:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Antworten …

… entsprechen der legitimen Sehnsucht des Menschen nach Einfachheit und Eindeutigkeit in einer überaus komplex gewordenen Welt. Sie werden aber dann zur Falle, wenn sie zur Vereinfachung (Simplifizierung) vielschichtiger Themen führen, die kein Entweder-Oder vertragen, sondern ein vielfaches „Und“ verlangen. Populismen der verschiedensten, nicht nur politischen Art leben von solchen Vereinfachungen im Denken. Sie sind weit leichter verständlich als ausgewogene Überlegungen. Auf der anderen Seite ist „Retro“ beinahe schon ein Trend geworden, nämlich im Sinne einer Rückkehr zu den einfachen Dingen des Lebens, einer Entschleunigung und Be-Sinnung. Öfter hört oder liest man vom weggelegten Handy, vom abgeschalteten Computer oder vom stehengelassenen Auto. Man wünscht sich einen Nahversorger und denkt an die Wiederbelebung alter, gemütlicher Gasthäuser. Soll man die Komplexität verstehen lernen oder sie verringern? Schon im antiken Athen gab es diesen Schritt zurück. Epikur (um 300 v. Chr.) begründete die Schule der „Philosophen im Garten“, die ein Leben im kleinen Kreis der Freunde pflegten und ihr Glück im Wohlbefinden fanden, frei von Schmerz und Angst (vor den Göttern und dem Tod). Heute fürchten wir uns nicht mehr vor den Göttern, wohl aber vor dem Tod oder gar dem Tod des Planeten.

Mag. Dr. Hildegard Pfanner, Bregenz