Asylchaoten?

Leserbriefe / 12.05.2019 • 17:01 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

FPÖ-Wahlplakate mit einfachen Sprüchen wie „gegen Asylchaoten“ schmücken die Landschaft, eines davon auch den Kirchplatz von Tisis. Darauf aufmerksam gemacht haben mich christlich interessierte Migranten, die regelmäßig zur Sonntagsmesse und zum Religionsgespräch kommen. Sie verstanden zwar „gegen Asyl“, aber nicht „Chaoten“. Einer fragte, ob der abgebildete Herr Vilimsky „gegen Asyl“ sei oder ob dieser selbst ein „Asylchaot“ sei. Überrascht von diesem absichtslosen Perspektivenwechsel wurde klar: „Asylchaoten“ können jene sein, deren Hirn und Herz so eng ist, dass sie mit Flüchtlingen nichts anfangen können; jene, denen im Umgang mit Schutzsuchenden nichts Besseres einfällt, als diese aus dem Land zu ekeln – z. B. durch schamlose Maßnahmen wie Umbenennung der Erstaufnahmezentren in Ausreisezentren, für eine Stunde Arbeit max. 1,50 Euro zu bezahlen oder die finanzielle Unterstützung an Deutschkenntnisse zu knüpfen ohne zu berücksichtigen, dass Menschen unterschiedliche Sprachbegabungen haben. Bei Kürzung der Unterstützung ist es schwerer, einen Deutschkurs zu belegen. Auf die Frage, ob diese Asylchaoten auch getaufte Christen seien, sagte ich: unser Vorbild ist Jesus, der vor allem Bedrängten und Ausgestoßenen Heimat gegeben hat. Und im Ersten Testament (Lev 19,33) lesen wir: „Wenn bei euch ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst!“

Mag. Stefan Biondi, Vikar,
Feldkirch-Tisis