Bildungsauftrag

Leserbriefe / 13.05.2019 • 18:24 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief Dr. Jörg Frey vom 4./5. Mai 2019:

Man mag die Kolumnen von Fr. Prof. Stainer-Hämmerle mögen oder nicht mögen, ebenso ist es legitim, inhaltlich und politisch anderer Meinung zu sein. Jemandem die Fähigkeit abzusprechen, einen Sachverhalt nicht sinnerfassend zu verstehen und als „hysterischen Sprachpolizisten“ zu bezeichnen, hat dann aber doch eine andere meinungsfeindliche Qualität. Worte, Vergleiche und Bilder serienweise zu verwenden, die aus historischen Gründen besonders belastet sind, provozieren absichtlich oder zeugen von Unwissenheit, was in diesem Zusammenhang ein besonderes Armutszeugnis wäre. Selbst die FPÖ-Spitze hat dem Rattengedicht und seinem Verfasser die rote Karte gezeigt, zwar nicht aus tiefer Überzeugung, aber aus koalitionärer Räson. Die vielstrapazierten „roten Linien“ sind indessen keine ideologischen Sperrlinien, sie sind höchstens unterbrochene Linien, bei dem das eine oder andere schon einmal durchgehen kann, ohne gleich unglaubwürdig zu erscheinen. Für die eigene Klientel und für erwünschte Aufmerksamkeit im EU-Wahlkampf bestehen „rote Linien“ dann nur noch vom Hörensagen. In Zeiten, in denen – wie erst unlängst erhoben wurde – beträchtliche Wissenslücken über den Holocaust bestehen, könnte dem einen oder anderen eine „antifaschistische“ Auffrischung nicht schaden, ein politischer Bildungsauftrag ist es allemal.

Dr. Günter Felder, Dornbirn