Und jedem Anfang liegt ein Zauber inne

Leserbriefe / 05.06.2019 • 18:41 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Nach Angelobung der Regierung Dr. Bierlein hat Österreich nun weiteres Neuland der Innen- und Außenpolitik betreten, eine Experten-Regierung soll es nun richten und bestenfalls den Parteien den Spiegel vorhalten, falls die Büchse der Pandora beim freien Spiel der Kräfte im Parlament verantwortungslos geöffnet wird. Das Zeitfenster bis zu den Neuwahlen im September als demokratiepolitisch erfrischend zu bewerten ist erlaubt, wenngleich Optimismus nicht selten ein Mangel an Weitsicht ist. Der Verweis auf praktische Erfahrungen mit Experten-Regierungen in anderen Ländern wie Italien, Griechenland oder Tschechien beruhigt nur bedingt. Wer will sich schon mit chronisch krisengeschüttelten Ländern ins Bett legen. Der neuen Regierung gutgemeinte oder kluge Ratschläge zu geben verbietet sich in dieser Situation, „Ratschlag“ kommt von „schlagen“, was selbsterklärend sein sollte. Nicht auszuschließen ist, dass sich die Expertenregierung doch stärker als angesagt emanzipiert und sich eine Eigendynamik entwickelt, die den Parteien in Teilbereichen das Wasser abgraben und für Weichenstellungen führen könnte. Es sind starke und eigenwillige Köpfe in der Regierung, die sich keiner Wahl stellen müssen und möglicherweise der einen oder anderen Partei doch die Leviten lesen. Sich dagegen zu verwehren, würde bedeuten, sich selbst zu schaden, Expertenmeinung schlägt Partei. Es kann aber auch ganz anders kommen, der Zauber eines neuen Abschnittes wird sich so oder so für kurze Zeit einstellen.

Dr. Günter Felder, Dornbirn