Heuchelei versus
Intoleranz

28.06.2019 • 15:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Seinen Kommentar eröffnete Harald Walser mit dem Wort „Sektenspektakel“ und schreibt von einer „sektengleichen Show“. Hier werden mit urteilenden Worten aus der Ferne Menschen abqualifiziert, niedergemacht, angeschwärzt und in ein bestimmtes Eck gestellt. Ich vermisse da – insbesondere von einem AHS-Direktor – jegliche Sachlichkeit. Wer sich auch nur ansatzweise mit Freikirchen beschäftigt, der weiß, dass das eben der Gebetsstil dieser auch in Österreich gesetzlich anerkannten Kirchen ist. Wir Katholiken haben andere Gebetsformen – aber auch wir tragen unseren Glauben in die Öffentlichkeit hinaus, so z. B. letzte Woche bei vielen Fronleichnamsprozessionen. Für einen australischen Freikirchler ist das ebenso befremdend. Aber im Endeffekt sind es nur verschiedene Gebetsstile. Mit Worten wie „rechte Fundamentalisten“ kann man Leute aus anderen Parteien mundtot machen. Meine Kinder lernen in der Schule, dass das Mobbing ist – auch da vermisse ich von einem Ex-NR-Abgeordneten die vielgepriesene Toleranz. Von einem Direktor und Historiker könnte man erwarten, dass auch andere weltanschauliche Meinungen toleriert werden. Übrigens: Auch Katholiken beteten regelmäßig in der Wiener Stadthalle, die katholische Maria-Namen-Feier am 12. Sept fand von 1958 bis 2010 jährlich dort statt. Und die Diözese Feldkirch betete im Mai 2018 im Bregenzer Festspielhaus und hielt einen Gottesdienst ab. Da hat auch niemand gesagt: „Bete in deiner Kammer.“

 

Dr. Christian Röthlin, Bregenz