Pflegemangel kommt nicht überraschend

Leserbriefe / 30.06.2019 • 17:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Seit vielen Jahren weisen wir Betriebsräte und Betriebsrätinnen der Krankenhäuser auf den drohenden Pflegemangel hin. Doch die Verant-wortlichen haben Warnungen und Fakten ignoriert und heruntergespielt. Nun lässt sich nichts mehr „schönreden“: Der Pflegemangel wird vielerorts sichtbar. Inzwischen sind wir so weit, dass kleinere Krankenhäuser dem LKH Feldkirch als Personalpool dienen und bei Engpässen aushelfen müssen. Für das betroffene Pflegepersonal eine sehr unangenehme Situation. Ein Arbeitsplatzwechsel ist auch immer mit Unsicherheit und Angst verbunden: wie geht es weiter, was passiert mit unserem Krankenhaus, werde ich wieder auf meine gewohnte Station kommen? Teams werden auseinandergerissen. Die diesbezügliche „Freiwilligkeit“ stelle ich infrage. Natürlich sagt eine Pflegekraft nicht Nein, wenn es um das Patientenwohl geht. Denn die Pflege der Menschen hat für uns oberste Priorität.

Ich fordere die Verantwortlichen (KHBG) auf, in Zukunft früher zu
reagieren und das Gespräch zu suchen. Personalengpässe sind langfristig erkennbar. Langsam wird die dünne Personaldecke im Pflegebereich für alle ein Problem – viele Überstunden und Urlaube, die nicht genommen werden können, Teilzeitkräfte, die ständig einspringen – die Liste ließe sich lange fortsetzen. Wichtig wären auch Transparenz und Offenheit gegenüber den Mitarbeiter(inne)n! Es ist nur anständig, die Betroffenen über Veränderungen in ihrem Betrieb im Vorfeld zu informieren, bevor sie es aus den Medien oder aus anderen Kanälen erfahren.

Elke Zimmermann,
BRV im Krankenhaus Bludenz