Die Plastiktascherl-Aufregung

Leserbriefe / 04.07.2019 • 18:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Das Verbot des Plastiktascherls scheint dem Verbraucher in Österreich eine EU-Maßnahme ähnlich wie die der Gurkenkrümmung zu sein. Dem ist nicht so. Bereits 1994 (!) hat die EU eine Richtlinie zur Verpackungsabfallvermeidung veröffentlicht und in Kraft gesetzt. In der Zwischenzeit wurde die Richtlinie mit sieben Modifikationen den laufenden Anforderungen angepasst. Die letzte im Jahre 2018. Ziel ist, die Auswirkungen von Verpackungsabfällen auf die Umwelt zu vermeiden bzw. zu verringern und so ein hohes Umweltschutzniveau sicherzustellen. Die Richtlinie gilt für alle Verpackungen und Verpackungsabfälle, unabhängig davon, ob sie in Industrie, Handel, Verwaltung, Gewerbe, im Dienstleistungsbereich, in Haushalten oder anderswo anfallen. Ebenso unabhängig vom Material, aus dem sie bestehen. Bereits in der Modifikation 6 im Jahre 2015 unterscheidet sie „sehr leichte“, „leichte“, „oxo-abbaubare Kunstofftragetaschen“ und Kunststofftragetaschen. Oxo-abbaubare Kunststofftragetaschen gelten übrigens als nicht biologisch abbaubar. Diese Maßnahmen mussten spätestens ab 27. November 2016 umgesetzt werden. In der Modifikation 7 vom 30. Mai 2018 verschärfte die EU unter anderem die Recyclingquote mit dem Ziel, 50 Gewichtsprozent bei Verpackungsabfällen aus Kunststoffen bis 31. Dezember 2025 (!) zu recyceln. In Europa sind rund 100 Milliarden Plastik-Tragetaschen in Umlauf. Die Unvernunft der sorglosen (Wegwerf-)Konsumenten braucht darum eine Regelung, auch wenn diese durch unsere Regierung noch verschärft wird.

Robert J. Bösch, Lustenau