Älpleridylle oder Schwerarbeit?

Leserbriefe / 26.07.2019 • 15:21 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Halbzeit auf unseren Alpen: Wenn der Juli dem Ende zugeht, ist auch der halbe Alpsommer vorbei. Wer gerne in der Natur ist und mit Tieren umgehen kann, der kann sich für ein Älplerleben entscheiden. Fällt die Entscheidung für eine Kuhalpe aus, so erwartet ihn ein 15-Stunden-Tag und härteste Arbeit. Zwei Mal melken, die Milch zu Käse und Butter verarbeiten, zwei Mal die Kühe auf die Weide treiben und wieder einstallen und zwei Mal den Stall ausmisten und den Mist ausbringen. Je länger der Alpsommer dauert, umso größer ist auch der Arbeitsaufwand für die Behandlung der Käselaibe. Es kommen täglich neue dazu, und die Laibe müssen gesalzen und gedreht werden. Franz Michael Felder, Bauer, Sozialreformer und Schriftsteller, gestorben vor 150 Jahren, hat geschrieben: „Die Alpsenner sind sehr interessante Leute, bei ihrer Arbeit kommt es hauptsächlich auf Umsicht, Geduld und richtige Beurteilung der wirkenden Naturkräfte an. Das lebt sich schnell in ihr Wesen ein und gibt ihnen Würde und Ruhe!“ Wie recht er doch hatte. Einen zappligen Älpler und Senner kann man sich auch heute nicht vorstellen. Die Tiere sind den ganzen Alpsommer im freien Gelände, bis sie im Herbst den Bauern wieder gesund, gekräftigt und vollzählig übergeben werden können.

Hugo Mayer, Egg