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Selbstverantwortung

Leserbriefe / 06.08.2019 • 18:04 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Hauptrelator der Amazonassynode im Oktober d. J., der brasilianische Kardinal Claudio Hummes meint, die Kirche brauche Neues, ohne Angst und Widerstand. In der Synode müssen sich das Alte und das Neue miteinander verbinden. Er zeigt das an zwei Beispielen, die auch für uns Europäer heute von besonderer Bedeutung sind. Kardinal Hummes spricht von einer „indigenen Kirche“. Er meint damit eine Kirche, die den indigenen Völkern mehr Eigenständigkeit zubilligt. Die „indigene Kirche“ hat ihr eigene Kultur, Identität, Geschichte und Spiritualität und ist gleichzeitig mit der katholischen Weltkirche vereint. Es geht also um eine stärkere Betonung der möglichen Verschiedenheit innerhalb der Einheit. Das zweite Beispiel bezieht sich auf den Aufbau und die Leitung der Gemeinden. Hier sagt Hummes: Die Dienste in den Gemeinden vor Ort müssen von den Gemeinden selbst ausgehen. Wörtlich: „Die Gemeinde ist nicht für den Amtsträger da, sondern der Amtsträger für seine Gemeinde.“ Die Dienste in der Gemeinde müssen von ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihren Bedürfnissen ausgehen. So soll nicht nur die „indigene Kirche“, sondern auch jede Gemeinde mehr Selbstständigkeit erhalten. Aus dieser stärkeren Betonung der Selbstverantwortlichkeit der Gemeinde und der Ortskirche ergibt sich eine neue Struktur der Kirche, mehr von unten nach oben als, wie bisher, von oben nach unten.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn