Wolfshatz

Leserbriefe / 09.08.2019 • 17:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wenngleich die Menschheit möglicherweise existenziellere Probleme hat, als über die Wiederansiedelung des Wolfes pro oder contra zu debattieren, evoziert die Aufforderung, bestehende Gesetze zu brechen und „Problemwölfe“ abzuschießen, doch einen gewissen Unmut. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass es in Europa wieder Wolfsrudel gibt, doch der Umgang mit Wölfen gleicht mancherorten wesentlich der Hexenverfolgung. Warum sind einige Menschen nicht in der Lage, sich darauf einzustellen? Weil es heißt, dass Herdenschutz „nicht geht“ und sie das eben glauben wollen? Leider sind durch Domestikation viele elementare Eigenschaften der „Haustiere“ verkümmert, weshalb sie nun zu leichter Beute werden. Für einen durchziehenden männlichen Wolf sind Hausschafe vermutlich ein All-You-Can-Eat-Buffet. Dass sich Wölfe ausgerechnet in Vorarlberg, eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas, niederlassen, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich gibt es in Vorarlberg keine großen zusammenhängenden Wildschutzgebiete und Ruhezonen, in denen es noch annähernd so etwas gibt wie natürliche Kreisläufe. Die angrenzende Schweiz hat andere Wege beschritten, die offensichtlich gut funktionieren. Der Wolf ist im Übrigen eine hochsoziale Tierart, die sich sowohl um junge als auch alte Gruppenmitglieder fürsorglich kümmert. Wenn aber mittlerweile jedes Tier, ob ein „reißender“ Wolf, ein „schälender“ Hirsch oder ein „fegendes“ Reh, ein Problem darstellt, offenbart das letztlich eine absolut (wild)tierfeindliche Gesinnung.

Ulrike Schmid, Götzis