Waldverein pocht auf Reduktion des Wildes

Leserbriefe / 16.08.2019 • 17:31 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wie ein „Miteinander“ von Wild und Wald in den Vorstellungen des Waldvereins aussieht, erläutert Obmann Walter Amann in entlarvender Offenheit im VN-Gespräch vom 14. August. Da wird salopp eine Reduktion des Wildbestandes um 50 % auf 100 Stück im Mellauer Wintergatter, der einzigen Fütterung im Tal, eingefordert. Um ein derart überzogenes Ansinnen einordnen zu können, sollte man wissen, dass sich das Mellental über eine Fläche von7000 ha erstreckt. Ein großer Teil davon ist als Rotwildlebensraum bestens geeignet und als Kerngebiet ausgewiesen. Die für Wildpopulationen relevante Biotoptragfähigkeit im Sommer ist auf einer derart großen Fläche mit einem Rotwildsommerbestand von 300 bis 350 Stück keinesfalls überbelastet. Dies belegen die regelmäßigen Schwendungen, welche zur Freihaltung der Alpweiden notwendig sind. Wildschadenprobleme treten vornehmlich in Einstandsgebieten auf aus denen das Wild, wegen Beunruhigungen durch Freizeitaktivitäten und erzwungener Dauerbejagung, nicht mehr auf die Äsungsflächen auszutreten wagt. Beim Wild geht Sicherheit immer vor Hunger! Somit ist klar: Das Problem ist nicht auf eine Überpopulation zurückzuführen und ist folgedessen nur durch geeignete Wildlenkungs- und andere Begleitmaßnahmen zu lösen. Sinnvoll wären die Ausweisung geeigneter Wildruhezonen mit klaren Regeln und Einschränkungen für Freizeitnutzer insbesondere in der Dämmerung, sowie die Einrichtung zusätzlicher Winterfütterungen, um das Wintergatter zu entlasten. Forstlobbyistische Tunnelblicklösungen sind kein Miteinander.

Dr. Georg Rüscher, Bregenz