Schulalltag

Leserbriefe / 06.09.2019 • 18:02 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

zurechtgerückt

Der Leserbrief von Herrn Lechleitner kann nicht unbeantwortet bleiben, weil er wie so oft zahlreiche Polemiken enthält. Ich bin heuer nach 42 Dienstjahren mit 65 Jahren in Pension gegangen. Mir hat mein Beruf bis zuletzt Freude bereitet, und Ferien waren nie meine Motivation für diesen Beruf, sondern immer die Arbeit mit Jugendlichen. Dafür habe ich mir stets Zeit genommen, auch außerhalb des Unterrichts. Wenn also im Leserbrief von 60 Prozent Arbeit die Rede ist, kann diese Behauptung nur von einem Laien kommen, der keine Ahnung vom Schulalltag hat. Ich habe in meiner Dienstzeit ca. 25.000 Schularbeiten und 500 Maturaarbeiten (Deutsch) korrigiert; mit Hausübungen kommt noch eine sechsstellige Zahl dazu – und das alles in den 40 Prozent bezahlter „Freizeit“. Bezüglich Burnout sind sich auch Experten einig, dass Unterrichten dramatisch anspruchsvoller wurde, weil Schule immer mehr gesellschaftliche Defizite kompensieren muss. Viele Eltern sind bei der Erziehung ratlos und bitten daher Lehrer um Hilfe. An dieser Aufgabe zerbrechen (vor allem junge) Lehrer(innen), sie schaffen den Spagat zwischen Stoffvermittlung, Lernklima und Erziehung nicht mehr. Warum also Lehrermangel? Weil sich viele junge Menschen – trotz 16 Wochen Urlaub – nicht mehr in der Lage sehen, diesen Beruf durchzustehen.

Mag. Otto Schwald, Bludenz