Klimaschutz versus Mercosur

Leserbriefe / 16.09.2019 • 19:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Beinahe stündlich hören wir von der Erderwärmung. Umso überraschender, dass man über das Mercosur-Abkommen wenig bis nichts zu hören bekommt. Das geplante Handelsabkommen zwischen EU und südamerikanischen Ländern hat aber eine unbeschreibliche Dimension in Bezug auf Klimaschutz. Das Abkommen soll z. B. Lieferungen von Fahrzeugen bzw. Fahrzeugteilen aus Europa nach Südamerika mit landwirtschaftlichen Produkten – in erster Linie Lebensmittel – ausgleichen. Schon heute importiert Europa über 300.000 Tonnen Fleisch aus Drittstaaten – und das in Zeiten von umstrittenen Kälbertransporten. Wie kann Europa zum Klimaschutz aufrufen, wenn solche Abkommen ratifiziert werden sollen? Warum fordern österreichische Parteien vor dem Wahlkampf die Bürger zu weniger Fleischkonsum auf und wehren sich nicht gegen solche Handelsmachenschaften? Warum fordert der Landesvolksanwalt aus Klimaschutzgründen eine drastische Wildreduktion, wenn auf europäischer Ebene Abkommen verhandelt werden, die den Lebensmittelimport aus kriminell gerodeten Regenwaldflächen regeln soll? Warum schreien die Bauern nicht auf, wenn ihre Existenz durch solche Verträge weiter gefährdet wird? Soll nun anstelle von genmanipuliertem Soja gleich das Endprodukt nach Europa gelangen? Die österreichischen Parteien können in dieser Frage eine wesentliche Weiche für den Klimaschutz in Europa und Südamerika stellen – wenn sie sich getrauen, gegen dieses Abkommen zu stimmen. Es gilt zu hoffen, dass Klimaschutz von den Volksvertretern ernst genommen und dass nicht Wasser gepredigt und Wein getrunken wird.

Betr. oec. Siegfried Kohler,

Schwarzenberg