Ein Dilemma

Leserbriefe / 19.09.2019 • 17:10 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Leserbrief „Nächstenliebe und Gleichberechtigung“ von Fam. Daniel Schatzmann, VN vom 13. 9. 2019:

Zum Nofler Kirchplatzverbot kann ich konkret nichts sagen, aber es ist mir Gelegenheit, das Dilemma aufzuzeigen, in dem die Kirche sich hier allgemein befindet: Sofern der Anlass für den Austritt die bezirksbehördliche Einforderung des Kirchenbeitrags ist, könnte man der Kirche raten, die säumigen Nichtzahler einfach laufen zu lassen. Aber da würden viele Zahlenden protestieren: Wir bezahlen für die Nichtzahler, die dann als „Trittbrettfahrer“ halt doch so manche Dienste der Kirche in Anspruch nehmen, zu Begräbnissen, Taufen, Weihnachtsgottesdienst, Allerheiligen, Hochzeiten. Und wenn so ein Zahler ein zorniger Mensch wäre, würde er schimpfen: Wer nicht zahlt, soll konsequenterweise der Kirche und jedem kirchlichen Dienst fernbleiben. Aber das wäre natürlich Quatsch. Ich freue mich doch, wenn sich auch „Ausgetretene“ in die Kirche trauen. Und doch ist damit der Vorwurf des Trittbrettfahrens nicht ganz vom Tisch. Also was tun? Das ganze System auf Freiwilligkeit umbauen? Früher oder später wird es kommen müssen. Damit kommt aber auch die radikale Reduzierung der Gelder für sämtliche kirchlichen Leistungen samt Erhaltung der Kirchen. Kurzum: Das bisherige Beitragssystem ist uns allen ziemlich unsympathisch. Aber man muss doch wollen, dass die christliche Kultur bleibt. Und dass unsere Enkel sich noch an das „Vater unser“ erinnern.

Pfr. Peter Mathei, Alberschwende