Männliche Schande

Leserbriefe / 04.10.2019 • 18:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Aha, nun weiß es schon der dritte Lingenauer Geschlechtsgenosse besser als ich selbst: Ein fauler „Sozialschmarotzer“ bin ich also, der „nur auf Kosten des Staates“ vor sich hin vegetiert, und überhaupt „hat niemand so viel Zeit“ wie ich – wumm! Gut, seit meinem Burnout vor fünf Jahren bin ich häufig bei der Arbeit im Gemüsegarten zu sehen, bei Unternehmungen mit den Kindern, im Ehrenamt als Sprachlehrer für Flüchtlinge, als Fußballnachwuchstrainer, Nikolo, musikalischer Gottesdienstgestalter, FC-Kantinen-Helfer etc. Weshalb nun aber offenbar hellsichtige Zeitgenossen daraus folgern wollen, dass Papa Hausmann somit automatisch auf Staatskosten leben soll, bleibt wohl deren ganz privates Mysterium. Bleibt nur zu hoffen, dass sie Frauen, die sich hierzulande ja nach wie vor überwiegend um Kinder und Haushalt kümmern, nicht ebenso despektierlich und herabwürdigend begegnen. Meiner Frau bin ich von Herzen dankbar, dass sie zum beruflichen Rollentausch bereit war, und allen Menschen – ob männlich oder weiblich –, die sich wie ich für Kinder und Haushalt entschieden haben, zolle ich allergrößten Respekt: Was ihr leistet, ist nicht nur unbezahlt, sondern auch unbezahlbar! Euch Schaffa-schaffa-Hüslebaua-Turbomännern aber sei gesagt: Untergriffige Beleidigungsversuche enttarnen in Wahrheit nur Unzufriedenheit, Neid und Missgunst und offenbaren ein fragwürdiges und wenig zeitgemäßes Weltbild.

Mathias Wachter, Lingenau