Buben „allein zu Haus“

Leserbriefe / 04.11.2019 • 18:03 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Schon länger beschäftigt mich die Frage, warum sich eigentlich niemand der vielen Vereine und Initiativen, die gegen Geschlechterklischees ankämpfen, um die heranwachsenden Jungs schert. Auch die Politik ignoriert diese Gruppe mit ihren speziellen Themen hartnäckig. Es scheint nur ein Geschlecht zu geben. Und dafür wird ziemlich viel Geld ausgegeben. Dabei stehen gerade die Buben ihrer Rolle immer ratloser gegenüber und werden allein gelassen. Das gesellschaftlich durchgängige „Vorbild Mann“ früherer Zeiten gibt es zum Glück nur mehr in Spurenelementen bzw. changiert zwischen „Mach, was du willst“ bzw. „Du machst, was ich will“. Wenn fast jede zweite Ehe geschieden wird, wenn fast die Hälfte der Ehen innerhalb der ersten zehn Jahre auseinandergehen, dann fehlt den heranwachsenden Buben die wichtigste Bezugsperson. Aber auch außer Haus fehlen den Buben bis zum Alter von zehn Jahren männliche Vorbilder. Männliche Lehrer in Volksschulen sind eine Seltenheit! Gerade in jenem Zeitraum, in dem erwachsene Vorbilder noch eine Rolle spielen, fehlt den Jungs ein erwachsenes männliches Gegenüber. Die Initiativen und Freizeitangebote für Mädchen haben ihre Berechtigung. Ihnen eine Hilfe zu sein, um den vielen gesellschaftlichen Fallstricken auszuweichen, ist ein wichtiger Bereich der Jugendpolitik. Aber welchen Sinn macht diese Aufgabe, wenn man darauf vergisst, dass jeder Versuch einer Verbesserung der Gesellschaft beide Geschlechter braucht?

Hanno Schuster, Höchst