Nur „Martinigans“

Leserbriefe / 05.11.2019 • 18:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Martinstag am 11. November werden sich viele wieder den Gansl-braten schmecken lassen, während Tierschützer und Tiefreunde hoffen, dass dieser nicht von qualvoll gestopften Gänsen stammt. Im Volksbrauch ist die Berufung des heiligen Martin, römischer Soldat, später Christ gewordener Bischof von Tours und Missionar in Gallien (gest. 397 n. Chr.) aus seinem Versteck im Gänsestall sehr lebendig geblieben (Sekundärlegende). Die Gans ist eben nicht „dumm“, sondern ein sehr kluges, ja heiliges Tier. Gänse haben auch 387 v. Chr. durch ihr Geschnatter das römische Kapitol vor der Eroberung durch den gallischen Heerführer Brennus gerettet, der das übrige Rom zerstörte und das schreckliche Wort „Vae victis!“ („Wehe den Besiegten!“) prägte. Bei Griechen und Römern stand die Gans für Fruchtbarkeit und Lebendigkeit und war der Aphrodite ein heiliges Tier. Sie symbolisiert Wachsamkeit und eheliche Liebe. Bei den alten Ägyptern stellte sie in Verbindung mit dem Weltenei den Ursprungsgott Amun dar. In unserem Kulturkreis steht die Martinsgans in enger Beziehung zu Barmherzigkeit, Opfer und Fruchbarkeit. Im Märchen wie z. B. „Die goldene Gans“ bezeichnet sie das Wertvolle, woran das Herz hängt. Bei den Kelten galt sie sogar als Bote aus dem Jenseits und durfte etwa bei den Bretonen nicht gegessen werden.

Mag. Dr. Hildegard Pfanner, Bregenz