Vergessene Me-Toos

Leserbriefe / 01.12.2019 • 18:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wir lesen aktuell von Frauen, bei denen gegen ihren Willen ihre Intimsphäre verletzt worden ist. So etwas ist immer verwerflich. Es gibt aber Frauen, vorwiegend etwa zwölf- bis 13-jährige Mädchen in Ländern wie Pakistan und Ägypten, über die nicht berichtet wird. Diese Mädchen gehören meist der christlichen Minderheit an. Sie werden entführt, normalerweise auf dem Schulweg, gelegentlich auch von daheim, wenn sie alleine zu Hause sind. Sie werden vergewaltigt, zur Konversion zum Islam gezwungen und gegen ihren Willen mit einem einflussreichen Muslim verheiratet. Gelegentlich werden sie auch zu Haussklavinnen degradiert und sind den Männern schutzlos ausgeliefert.

Die lokalen Behörden unternehmen nichts und unterstützen üblicherweise die Entführer, indem sie beispielsweise das Geburtsdatum fälschen und die Mädchen älter machen. Erfolgt eine Anzeige, werden die Mädchen gezwungen vor Gericht auszusagen, dass sie freiwillig konvertiert seien, und ihre Herkunftsfamilie wird bedroht. Laut der NGO „Human Rights Watch“ waren 2018 alleine in Pakistan über 1000 Mädchen betroffen. Das Behördenverhalten demoralisiert viele betroffene christliche Familien. Der Gerichtsweg ist teuer und kann mehrere Jahre dauern. In Pakistan haben die Höchstgerichte aber schon zugunsten der betroffenen Mädchen entschieden. Kommen diese Mädchen in ihre Familie zurück, müssen sie und ihre Familien das Erlebte seelisch verarbeiten. Stellen wir uns vor, es wäre unsere Tochter!

Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau