Fragwürdige
Extremposition

Leserbriefe / 09.12.2019 • 19:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die Taktik ist so durchschaubar wie wirksam. Eine Interessensgruppe vermarktet ihr gesellschaftspolitisches Anliegen mithilfe der Medien so erfolgreich, dass sie die Diskussion dominiert. Sie reißt die Deutungshoheit an sich und gibt ihre einseitigen oder extremen Standpunkte als verbindlich vor. Ihr Grundanliegen ist vorhanden, aber die Ursachenerklärung und die daraus abzuleitenden Forderungen werden in ein scheinbar plausibles Gesamtpaket verschnürt, das es zu befürworten gilt. Organisation, Interpretation und Aktionismus müssen als Ganzes akzeptiert werden. Wer das nicht tut, bringt sich in Erklärungsnotstand. Bekenne dich, lautet die unausgesprochene Forderung, sonst machst du dich verdächtig. Als schärfste Waffe fungiert wie immer die öffentliche Empörung. Kein Präsident könnte es wagen, etwa dem Aids Life Ball mit seinen weithin als abstoßend empfundenen Ausdrucksformen die Referenz zu erweisen, kein Kardinal könnte dieser Lobby den Stephansdom verschließen. Schon fast wöchentlich müssen öffentliche Gebäude als Ausdruck der Solidarität mit irgendwelchen Anliegen in wechselnden Farben beleuchtet werden. Die Hysteriegesellschaft wird von allen Seiten angeheizt. Wer auch nur einen Teilaspekt der derzeit aktuellen Klimatheorien anzweifelt, wird zum „Klimaleugner“ abgekanzelt. Der Philosoph Liessmann spricht diesbezüglich so schön zweideutig von der „neuen Gretchenfrage“. „Wer nicht uneingeschränkt für uns ist, ist gegen uns!“, hieß es in allen Diktaturen. Erleidet unsere demokratische Meinungsfreiheit Schiffbruch?

Gerald Grahammer, Lustenau