SFR-Kursverluste

Leserbriefe / 16.12.2019 • 18:23 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wer einen SFR-Kredit hatte oder noch hat, weiß, was Kursverluste bedeuten. Diese werden von den österreichischen Finanzbehörden weder als laufende Ausgaben noch als Erhöhung der Anschaffungskosten anerkannt. Ein Kreditnehmer klagte beim Finanzgericht gegen diese Auslegung – ein Professor der Uni Innsbruck kommentierte den Fall in einer Fachzeitschrift und war sich sicher, das der OGH dem Klagsbegehren stattgeben wird. Aber der Professor irrte. Der OGH bestätigte das Urteil des Erstgerichtes, wonach Fremdwährungskredite Spekulationsgeschäfte seien und allfällige Schäden der Kreditnehmer allein und aus der eigenen Tasche zu tragen habe. Ich kann das Erkenntnis des OGH nicht nachvollziehen, weil der Kursverlust tatsächlich eingetreten ist und der Kreditnehmer die um den Kursverlust erhöhten Rückzahlungen leisten muss. Nach der derzeitigen Rechtslage wird der Kreditnehmer gleich zwei Mal abgestraft, einmal durch die zum Teil bis zu 50 Prozent und mehr erhöhten Rückzahlungen und durch die Nichtabsetzbarkeit der tatsächlich bezahlten Aufwendungen, während der Staat ob seiner mangelnden Information und Aufklärung sowie die Kreditvermittler, deren Kreditverträge wegen Verletzung über die Hälfte des wahren Wertes zumindest als dubios einzustufen sind, jede Schuld von sich weisen und ungeschoren davonkommen. Viktor Orban hat es da besser gemacht. Er hat den SFR-Kurs bei 1,40 Euro eingefroren und damit seine Landsleute vor großem Schaden bewahrt. Die Polen taten es ihm gleich, Österreich schaut zu und schweigt.

Ernst Lenz, Lauterach