Paneuropäische Vorreiterrolle

Leserbriefe / 01.01.2020 • 19:38 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
VN-Interview vom 31. Dezember 2019.
VN-Interview vom 31. Dezember 2019.

Es freut mich, dass Altlandeshauptmann Purtscher die geschichtliche Rolle der Paneuropaunion im Zusammenhang mit dem österreichischen EU-Beitritt würdigt (VN, 31. 12. 2019). Die 1922 von Coudenhove-Kalergi gegründete Organisation, dessen prägender Nachfolger Otto Habsburg war, geht weiterhin als Vordenker voran. Anstatt am unrealistischen Beitrittsangebot an die Türkei taktisch festzuhalten, fordert sie, der Ukraine eine konkrete europäische Perspektive einzuräumen. Das wird hierzulande ebenso wenig Verständnis finden wie jahrzehntelang unsere eigene Beitrittsoption, aber letztlich wohl ebenso enden: mit der Meldung, dass das Exportland Vorarlberg der größte Nutznießer ist. Für die Türkei ist eine maßgeschneiderte Partnerschaft – vor allem für eine Ära nach Erdogan – durchaus in beiderseitigem Interesse. Die Beitrittskandidatenländer am Balkan haben die Bedingungen teilweise schon erfüllt, wurden aber von Macron entgegen der EU-Versprechungen abgeblockt. Wo driften sie als bindungs- und hoffnungslose Oase hin, wenn wir sie nicht nehmen? Und wer glaubt, die Ukraine dürfe nur Wege einschlagen, die Herrn Putin gefallen, möge das Selbstbestimmungsrecht der Völker frei heraus für obsolet erklären. Es wird angesichts von Unzulänglichkeiten gerne übersehen, dass die EU eine Sicherheitsgemeinschaft ist, in der Wirtschaft, Regionalismus und Rechtstaatlichkeit profitieren. Europa nimmt seine historische Rolle entweder wahr oder verschwindet als selbstbestimmter Kontinent. Russland, China und Trump werden es uns danken.

Gerald Grahammer,
Lustenau