Verantwortungsvolle Berichterstattung

Leserbriefe / 17.01.2020 • 17:51 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wenn man die letzten Wochen die Medienberichte speziell in ZIB 1 + 2 aufmerksam verfolgt hat, so musste man den Eindruck gewinnen, das Ablaufdatum dieser sicherlich nicht einfachen Koalition ist bereits absehbar. In jeder Sendung bekommt man zu hören, diese Koalition kann doch nicht fünf Jahre halten, ja, es ist unmöglich, daran zu glauben. Von den Moderatoren wird nicht nur konstruktive, berechtigte Kritik geübt, sondern wider besseren Wissen im Vorhinein vorverurteilt. Unterschiedliche Standpunkte werden bis zum Exzess in der Berichterstattung thematisiert, obwohl eine gewisse Meinungsvielfalt das Salz in der Suppe einer Demokratie ist. Auch ein Medium wie der ORF sollte eingestehen, dass bei einer Koalitionsregierung Kompromisse demokratiepolitisch unausweichlich sind. Lt. Wikipedia bedeutet Kompromiss den freiwilligen, beiderseitigen Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen, eine vernünftige Art, widersprüchliche Interessen auszugleichen. Wenn Moderatoren immer nur das Negative hervorkehren und den Teufel an die Wand malen, ohne dass die Faktenlage dies hergibt, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass Demagogen, Populisten in vielen Ländern an die Macht kommen. Selbstverständlich können und sollen die Medien auch berechtigte Kritik üben, die Hand in die Wunde Regierender legen, aber mit großem Verantwortungsbewusstsein im Sinne einer Demokratie. Ein Medium, das „Bad News“ zum Leitbild hochstilisiert, ist einer verantwortungsbewussten Fernseh- und Rundfunkanstalt unwürdig.

Christl Wohlgenannt, Dornbirn