Papst gegen Papst

Leserbriefe / 07.02.2020 • 18:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Als der heute 92-jährige Papst Benedikt in Pension ging, versprach er öffentlich, sich nicht in das Tun seines Nachfolgers einzumischen. Doch er ging nicht ganz in Pension. Er blieb im Vatikan, trägt immer noch die päpstlichen Gewänder und ließ von Zeit zu Zeit etwas von sich hören. Doch nun hat er eindeutig gegen seine Versprechen in einer sehr heiklen Frage und in einem sehr entscheidenden Moment verstoßen. Wir warten alle gespannt auf das verpflichtende nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus, und die einen hoffen, die anderen fürchten, dass darin das Zölibatsgesetz in Ausnahmesituationen gelockert wird und auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden dürfen. Die Entscheidung wird Papst Franziskus von einer Gruppe von Gegnern in und außerhalb des Vatikans sowieso schwer gemacht. Doch bevor dieser Stellung zu der Frage bezogen hat, fällt ihm Benedikt in den Rücken, indem er in einem Artikel behauptet, Ehe und Priestertum würden das ganze Leben eines Mannes in Anspruch nehmen und könnten daher nicht gleichzeitig gelebt werden. Will er damit den amtierenden Papst in die Enge treiben oder gar zwingen, sich seiner Meinung anzuschließen? Jedenfalls ist zu wünschen, dass, wenn in Zukunft ein Papst in Pension geht, er das zur Gänze tut.

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn