Moderne Sklaverei

Leserbriefe / 24.07.2020 • 17:53 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Es heißt, man kann ein Übel nicht durch ein anderes Übel tilgen. Selbst dann nicht, wenn es sich bei beiden um das gleiche Phänomen handelt: Moderne Sklaverei. Man darf sich als Europäer(in) aber durchaus die Frage stellen, was derartige Auswüchse mit einem selbst zu tun haben. Der Topos der „grenzenlosen Macht der Großkonzerne“ ist bei Systemerhaltern eine beliebte Argumentationsstrategie und soll Mitmenschen zur Schlussfolgerung führen, „man kann eh nichts machen“.

Auch die trugschlüssige Behauptung, ein Tötungsgatter als Ultima-Ratio-Maßnahme einrichten zu müssen, fällt in diese Kategorie. Hier schließt sich erneut die Frage an, welche Umstände zu diesem Status quo geführt haben? Die Antworten dürften bekannt sein. Aber vermutlich kostet es weitaus weniger Anstrengung oder ist mit bedeutend weniger Risiko verbunden, mit den Wölfen zu heulen, anstatt bestehende Systeme und gewalttätige Praktiken öffentlich zu kritisieren und zu verändern. Im kleinen Rahmen ist das durchaus machbar, man kann mitentscheiden, ob man Langstreckentransporte nicht entwöhnter Kälber und Zuchtrinder mittragen, oder durch sein tägliches Konsum- und Essverhalten Widerstand gegen die entartete Milch- und Fleisch, sowie auch Bekleidungsindustrie leisten möchte. Zweifelsohne brauchen Veränderungen im großen Rahmen etwas mehr als das. Hier geht es aber wohl insgesamt kaum ums Können, sondern ums Wollen!

Ulrike Schmid, BA MA, Götzis

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