Gegenbilder sind

Leserbriefe / 13.04.2021 • 17:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

nicht genug

Zum VN-Kommentar von Frau Stainer-Hämmerle, VN vom 31. März:

Sind wir in Österreich tatsächlich schon so weit, dass „wir uns darauf konzentrieren sollten, Postenbesetzungen im öffentlichen Bereich ohne politische Einflussnahme (Regelfall) als Vorbild nehmen“ zu müssen? Müssen wirklich schon sich regelkonform verhaltene Bürger dem Rest der Bevölkerung als „richtiges Bild“ präsentiert werden, Frau Stainer-Hämmerle? Der Bundespräsident Van der Bellen hat sich der Stilform des normativen Indikativs bedient, als er sagte „So ist Österreich nicht“. Doch ist gerade das paradox. Denn v.d.B sieht, dass sein Land „so“ ist und spricht damit an der Wirklichkeit vorbei. Die Macht des Bundespräsidenten erschöpft sich offensichtlich darin, das, was korrekterweise sein sollte, als vermeintliche Realität zu beschreiben. Der Bundespräsident rechtfertigt seine Untätigkeit fallweise mit formaler Unzuständigkeit, betont aber seine klare Haltung. Wir wünschen uns von den Medien, dass über die klar erkennbaren Missstände berichtet wird, anstatt durch Berichte über „normale“ Postenvergabe eine Scheinrealität zu schaffen. Konzentrieren wir uns nicht nur auf eine Hälfte. Warum schauen wir nicht auch hinter den Vorhang bei der zweiten Hälfte und schreien nach Rücktritt, schärferen Gesetzen und mehr Transparenz? Es ist Ostern und die Äußerungen des Kanzlers Kurz zum Umgang mit der Kirche geben einmal mehr Anlass dazu.

Andreas u. Brunhilde Reichl,

Hohenweiler