Loyaler Kirchenrebell

Leserbriefe / 15.04.2021 • 19:37 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Am 6. April starb im Alter von 93 Jahren der berühmte Schweizer Theologe Hans Küng. Er wurde im Germanicum in Rom zum Priester geweiht, als ich dort als Student ankam. Ihn störte während seines Doktorstudiums die ungerechte Behandlung der Angestellten des Kollegs. Diese hausten im Keller und durften nicht heiraten, weil sie so weniger Räume zum Wohnen brauchten. Ein mutiger Kämpfer ist Küng zeitlebens geblieben. Unzählige waren begeistert von seinen Auffassungen. Er war wirklich ein großer Theologe, der die Schwächen der katholischen Kirche erbarmungslos aufdeckte, dieser aber immer treu und loyal blieb. Ein kleines Büchlein mit dem Titel „Unfehlbar?“ mit Fragezeichen wurde ihm zum Verhängnis. 1979 wurde ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Doch er gründete die Stiftung „Weltethos“ und tat alles nur Erdenkliche für die Annäherung der Weltreligionen. Ein Mann mit unglaublichen Verdiensten für die Kirche und die Menschheit wäre gern rehabilitiert von und ausgesöhnt mit seiner Kirche gestorben. Doch auch unter Papst Franziskus gelang das nur auf menschlicher und seelsorglicher, nicht aber auf juristischer und amtlicher Ebene. Persönlich ist mir lieber, dass Hans Küng auch über seinen Tod hinaus ein „evangelischer“ Stachel im Fleisch der katholischen Kirche bleibt.

Pfr. Helmut Rohner,

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