Muttergebundene Kälberaufzucht

Leserbriefe / 16.04.2021 • 17:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum VN-Bericht „Alles ist ein Zyklus“, VN vom 13. April:

Zugegeben, diese Bezeichnung für ein höchst typisches Phänomen klingt sehr technisch, beschreibt sie doch das für Säugetiere charakteristische Merkmal der Versorgung und Ernährung durch die Muttermilch, welche eigens für diesen Zweck produziert wird. Beim Trinken der Milch durch ein Neugeborenes, ganz gleich ob zwei- oder vierbeinig, passiert zudem Folgendes: Durch die Ausschüttung von Oxytocin entsteht eine starke Mutter-Kind-Bindung. Auch Lernen und Sozialisation findet bei Zwei- und Vierbeinern gleichermaßen statt; durch Beobachtung, Nachahmung von Gruppenmitgliedern sowie vor allem Spiel und eigenes Ausprobieren. Wie bei allen anderen Lebewesen, entwickelt sich eine gesunde Persönlichkeit insbesondere innerhalb dieser familiären Sicherheit. Eins vorneweg: Ich finde es ganz toll, wie Familie Stark ihren Hof führt und dass sie ihren Kühen mit Kälbern ermöglicht, (fast) wie ganz normale Herdentiere aufzuwachsen. Es ist gut vorstellbar, mit welchen Einwänden und Vorurteilen Herr Stark zu kämpfen hatte, als er dieses Vorhaben umgesetzt hat. Umso verwunderlicher scheint, dass es in manchen Schulen offenbar erst wieder gelehrt werden muss, dass auch Rinder Säugetiere sind und die sofortige „Kindswegnahme“ ein emotionales Trauma darstellt. Diese plakative Formulierung wird nun vermutlich all jene rationalen Köpfe hochgradig entrüsten, in deren Vorstellung die Kuh nur ein profitabler Milchautomat ist. Es wäre aber an der Zeit, umzudenken!

Ulrike Schmid,

MA, Götzis