Nur weiter so

Leserbriefe / 18.04.2021 • 18:43 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die aktuellen Geschehnisse bestätigen mir wieder auf eklatante Weise, wie hierzulande mit der Langzeitpflege umgesprungen wird. Die Verurteilung des Heimleiters und der Pflegeperson aufgrund ihrer Vergehen, bei positivem Covid19-Befund noch eine Arbeit fertiggemacht zu haben (für die Dauer von 20 min) und das Büro über den Keller zu betreten (ohne Kontaktrisiko zu BewohnerInnen) empfinde ich als sehr hart, insbesondere in Anbetracht des gesamten Kontexts und der vorhergehenden Leistungen der Personen. Man soll nur so weitermachen. Es werden immer noch weniger Menschen bereit sein, einen Beruf in der Pflege zu ergreifen. Und das ist nur verständlich. Die Rahmenbedingungen zeichnen sich durch Personalmangel, Fachkräftemangel, Schicht- und Wochenenddienst, regelmäßige Krankenstandsvertretung und hohe körperliche und psychische Belastung aus. Dazu kommt eine Abwertung des Berufs durch die Gesellschaft („Ach, du putzt gerne anderen den Hintern?“) und die Politik. Diese ignorieren die Missstände seit Jahren. Ich habe schon mit vielen Angehörigen gesprochen, sie beschimpfen die Zustände, weil zum Beispiel die pflegerische Versorgung der Mutter nicht gesichert ist. Trotzdem lese ich nie einen Leserbrief zum Thema Pflege in den VN. Wie gesagt, man soll nur so weitermachen. Die nächste Generation, die pflegebedürftig wird, ist zumindest selbst sehr stark mitverantwortlich, wenn ihre Versorgung bei Pflegebedürftigkeit nicht mehr gewährleistet ist.

Marika Widmann, Götzis