Will sie nicht

Leserbriefe / 22.04.2021 • 17:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

modern sein?

Manche meinen: Die Kirche möchte schon modern sein, aber sie schafft es nicht. Andere meinen: Sie könnte, aber sie will nicht. Wie dem auch sei, ich freue mich immer, wenn jemand der Kirche Mut macht, die Moderne nicht zu fürchten. Bei der letzten Online-Tagung der Universitäten Fribourg und Salzburg tat das der Schweizer Kirchenhistoriker Mariano Delgado. Es ging ihm dabei um den Übergang zu einer neuen Epoche der Religionsvielfalt. Seit 1960, kurz vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, hätten immer wieder Stimmen innerhalb der katholischen Kirche auf die Notwendigkeit eines Schrittes in die neue Epoche aufmerksam gemacht. Josef Ratzinger, der spätere Papst, meinte damals schon, der Schritt vom Mittelalter zur Neuzeit sei in der Kirche ausgefallen. Kardinal Carlo Martini habe 1998 kritisiert, dass die katholische Kirche seit 200 Jahren ihre Gestalt in der modernen Welt nicht gefunden habe. Das Christentum müsse, so Delgado, „zu den andern Religionen Gemeinsamkeiten suchen und Spannungen ehrlich aushalten.“ Angesichts einer immer vielfältigeren Religionsgeschichte, könne das Ziel nicht eine Einheitsreligion, sondern nur eine „Einheit in Vielfalt“ sein. Dieser Übergang erfordere der Kirche Mut ab, erst recht, da die Notwendigkeit des Wandels noch lange nicht von allen erkannt werde.

Pfr. Helmut Rohner, Hard