Ganz unten beginnend

Leserbriefe / 20.07.2021 • 17:10 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Bisher gab es nur einen synodalen Weg, den in Deutschland. Doch der Papst wollte, dass die Bischöfe und das Kirchenvolk auf die Synode im Herbst 2023 nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglichst gut vorbereitet werden. Er möchte also, dass alle einzelnen Ortskirchen bis dahin (2021 und 2022) ihren eigenen Synodalen Prozess durchleben. Die italienischen Bischöfe haben beschlossen, ihren nationalen synodalen Prozess „ganz unten zu beginnen.“ Damit zeigen sie, dass sie den Papst recht gut verstanden haben, denn der Erneuerungsprozess, den er sich schon lange wünscht, geht nicht, wie in der Vergangenheit, von oben nach unten, sondern von unten nach oben. Doch was heißt in der Kirche „ganz unten beginnend“. Die Bischöfe lassen leider weitestgehend offen, was sie damit meinen. Ich sehe zwei Deutungsmöglichkeiten. „Ganz unten“ sind in der Kirche die gewöhnlichen Getauften, die Gläubigen. Wer hier beginnen will, muss die „Laien-“ und die Frauenfrage ernst nehmen. Noch weiter unten sind die auch in der Kirche Verachteten, Diskriminierten. Es wäre also bei Roma, Juden, Lesben, Schwulen, Atheisten, Wiederverheirateten-Geschiedenen usw. zu beginnen. Wird die italienische oder eine andere Nationalkirche den Mut dazu aufbringen?

Pfr. Helmut Rohner, Dornbirn