Desaster

Leserbriefe / 21.07.2021 • 16:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Bericht „NATO-Einsatz in Afgha-
nistan beendet“, VN vom 17. 7. 2021:

Der Rückzug der USA und NATO nach 20 Jahren Afghanistan-Einsatz ist eigentlich ein Eingeständnis eines eigenen Versagens. Dieser Krieg hat US-Amerika zwei Billionen, das sind 2000 Milliarden US-Dollar gekostet, und 2442 amerikanische Soldaten wurden getötet. Diese NATO-Mission, bei der bis zu 50 Nationalitäten beteiligt waren, hat ca. 100.000 Zivilisten, mehrheitlich durch Taliban-Anschläge, und rund 5000 Taliban-Kämpfer das Leben gekostet. Die Taliban haben mit Unterstützung von Pakistan, wo sich auch Osama bin Laden jahrelang unbehindert aufhalten konnte, ihr Ziel, den bedingungslosen Abzug der internationalen Truppen erreicht. Jetzt ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Taliban in Afghanistan wieder ihre Terrorherrschaft übernehmen werden. Eine schmerzfreiere und kostengünstigere Lösung wäre gewesen, den Taliban den Zugang zu den erforderlichen Waffen, was natürlich nicht im Sinne der Waffenindustrie ist, zu nehmen. Wobei bereits US-Amerika die islamistischen Fundamentalisten im Kampf gegen die zehnjährige Besatzung der Sowjetunion mit Waffenlieferungen zum Sieg verholfen hat. Dass jetzt alle Afghanen, die mit US-Amerika und der NATO kooperiert haben, ihrem Schicksal überlassen werden, ist ein moralisches Desaster. Genauso wie im von Amerika geführten Krieg im Irak hat auch das internationale Eingreifen in Afghanistan nur verbrannte Erde hinterlassen und weltweit für mehr Terror und Flüchtlinge gesorgt.

Alfred Fuchs, Dornbirn