Zertifiziert sterben

Leserbriefe / 02.01.2022 • 17:21 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum Bericht „Debatte um 2G für Nutztiere im Land“, VN vom 28. Dezember:

Trotz des Wissens um die Klima­krise oder die gesundheitlichen Folgen von zu viel tierischem Protein, steht der Konsum von Tierprodukten (Fleisch) gleichbleibend hoch im Kurs. Ob es sich beim Tod im Schlachthaus jeweils um einen guten Tod handelt, sei dahingestellt. Für das Tier bedeutet er immer das gewaltsame, vorzeitige Ende seines meist noch jungen Lebens und damit einen irreversiblen Totalschaden. Dennoch möchte die Gesellschaft ihren Tierkonsum offenbar nur wenig reduzieren. Die Tätigkeit des Schlachtens soll hingegen lieber aus dem Wahrnehmungsbereich verdrängt und ein Schlachthaus andernorts geführt werden. Die Tiere bleiben die Verlierer. Eine goldene Nase verdienen sich dabei nicht die Landwirte/Landwirtinnen, sondern eher ein großes Marketingimperium, von dem halb Österreich glaubt, es garantiere mit seinem Siegel höchste Qualität. Dabei ist die AMA vor allem eine Werbeorganisation. Die Schlagworte der Firmenphilosophie lauten beispielsweise Zielgruppen, Märkte, Produktgruppen, Marktforschungsdaten, Absatzförderung. Tiere sind dort „Rohstoffe“ und die angedeutete Qualitätssicherung bezieht sich auf die Einhal-tung der Mindeststandards des österreichischen Tierschutzgesetzes. Das sind de facto Vollspaltenböden für Rinder und Schweine, die mit guten Haltungsbedingungen und „Tierwohl“ überhaupt nichts zu tun haben. Dennoch flüchtet sich der Landesrat für Landwirtschaft in den blutigen Schoß dieser Marketingfirma und verherrlicht deren Zertifizierung: Schöner sterben mit dem AMA-Gütesiegel. Arme Tiere!

Ulrike Schmid, MA, Götzis

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