Gutes Timing

Leserbriefe / 03.01.2022 • 18:14 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Soziale wie traditionelle Medien sind heute derart alltäglich und allgegenwärtig, dass die Auseinandersetzung mit ihnen im Unterricht unumgänglich, mehr noch: notwendig ist. Tatsächlich haben sich die letzten zwei Jahre diesbezüglich aber als gute Zeit erwiesen. Selten war es so einfach wie heute, Anschauungsmaterial für missbräuchlichen Medieneinsatz zu finden. Um das Kind beim Namen zu nennen: Fake news are all around. Im Grunde meines Herzens bin ich daher dankbar, dass Marchart/Sabransky mit „Eine andere Welt“ ein lehrbuchmäßiges Beispiel für populistische Film-„Kunst“ vorgelegt haben, anhand dessen man jungen Menschen wunderbar illustrieren kann, wie Propaganda funktioniert: Ganz normale Vorarlberger(innen) wie du und ich üben darin besorgt Kritik an den Coronamaßnahmen – auf der Basis persönlicher Erlebnisse und subjektiver Eindrücke, die schonungslos verallgemeinert werden (nur der politisch rechte Anteil der Maßnahmenkritiker(innen) wird totgeschwiegen. Lachende Kinder und unleugbar ästhetische Naturaufnahmen bilden Kontrapunkte zu diesem vorgeblichen Pan­optikum besorgter Bürger(innen), deren Kritik nur vereinzelt wirklich stichhaltig ist. Alles unkommentiert, ohne Kontextualisierung, ohne nachvollziehbare Struktur und unter dem vertrauenerweckenden, aber irreführenden Label „Dokumentation“. Der Film will als Dialogangebot verstanden werden (ach, wie demokratisch!), verhält sich jedoch paradoxerweise überaus monologisch. Der Titel ist freilich stimmig, gezeigt wird wahrlich „eine andere Welt“, die einen eigenen Namen verdient. Vielleicht „Echokammer“?

David Franzoi, Bregenz

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.