Grund zu feiern?

Leserbriefe / 24.01.2022 • 20:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Abschluss im Kollektivvertrag für Sozial- und Gesundheitsberufe ist alles andere als ein Erfolg. Da gibt es nichts zu feiern. Warum kommt die Arbeitszeitverkürzung erst im nächsten Jahr? Warum 39 Stunden und nicht wie in vielen Bereichen seit Längerem 38,5? 3,1 % ist wirklich ein schwacher Abschluss, wenn ich mir die Zahlen aus anderen Branchen anschaue, auch die Inflationsrate. Da sind 3,5 % das Minimum. Völlig unverständlich aber: Nachtdienst kein Thema? Es gibt ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Grundsatzurteil) vom März 2021, wonach Bereitschaft, die am Arbeitsplatz verbracht werden muss, auf jeden Fall Arbeitszeit ist. Ein Nachtdienst in einer Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche erfordert Anwesenheit am Arbeitsplatz, meist von 22.00 bis 6.00 Uhr, also acht (!) Stunden, die nicht bezahlt werden. Klar, ich weiß schon, es gibt eine Nachtdienstzulage, diese bekommen SchichtarbeiterInnen auch, Nachtarbeit ist nun mal belastender. Eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter in solcher unbezahlten Arbeit würde genügen, um das richtungsweisende Urteil des EuGH umzusetzen. Ob sich das jemand auch traut? Also, Herr Heinzle, kein Grund zu feiern. Ich anerkenne Ihre Erfolge sehr wohl, die einen eigenen Kollektivvertrag für Vorarlberg brachten. Davor Hut ab. Dieser Abschluss aber gehört ganz sicher nicht dazu.

Siegfried Schöch-Fitz, Feldkirch

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