Gerechte Entlohnung?

Leserbriefe / 08.02.2022 • 18:15 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

„Leistung muss sich lohnen“ — was für ein hohler, verlogener Spruch! Wenn das stimmen würde, dann wären Paketboten, Verkäuferinnen, Müllmänner, Pflegepersonal, Putzfrauen oder auch Kinderbetreuerinnen Millionäre! In unserem reichen Land arbeiten immer noch viele Menschen (hauptsächlich Frauen) zu einem Lohn, von dem sie nicht leben können. Wir haben eine SPÖ, eine Gewerkschaft, und die pochen nur auf eine prozentuelle Erhöhung der vorhandenen Löhne, was die Ungerechtigkeit natürlich nicht beseitigt. Denn wer schon viel hat, bekommt auch mehr, und die „untere Hälfte“ bekommt beschämend wenig.

Neuestes Beispiel: das Pflegepersonal bekommt 3,1 % Lohnerhöhung. Davon frisst die Teuerung 2,9 %, das heißt, die Pflegerinnen erhalten 0,2 % tatsächliche Lohnerhöhung — zum Schämen. Auch Frauen sollten das Mittel des Streiks überlegen. Warum gibt es nicht schon lange einen gesetzlichen Mindestlohn, von dem alle, die mindestens 40 Stunden pro Woche arbeiten, auch leben können? Als erstes würde ich vorschlagen, dass in jeder Diskussion ausnahmslos der durchschnittliche Monatslohn für den betreffenden Beruf angeführt wird. Dann können sich alle ein Bild machen, wie gerecht es in unserem Land zugeht.

Herta Holzer, Nenzing