EZB und Preisstabilität

Leserbriefe / 26.04.2022 • 18:47 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Zum VN-Bericht „EZB Maulkorb, VN vom 23. April:

Laut dem Gründungsvertrag und den EZB-Satzungen wäre es das vorrangige Ziel des Europäischen Zentralbanksystems, die Preisstabilität zu sichern. Diese Vorgabe scheinen Europas Währungshüter vergessen zu haben. Vielmehr kommt die EZB mit ihrer ultraexpansiven Geldpolitik der letzten Jahre selbst in die Bredouille. Seit rund sieben Jahren liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone bei null, ab 2015 hat die Notenbank Staats- und Unternehmensanleihen für Billionen gekauft und wird damit selbst zum Treiber von Inflation, Aktienkursen und Immobilienpreisen.

Auch über die Qualität der Inflationsprognosen von Zentralbank-Chefin Christine Lagarde und ihrem Volkswirt Philip Lane kann sich jeder selbst ein Bild machen. Obwohl sich die Finanzminister in den EU-Staaten vermutlich schon daran gewöhnt haben, dass Schulden machen „nichts mehr kostet“, müsste die EZB die Leitzinsen zeitnah (wann, wenn nicht jetzt) anheben, ansonsten käme zum Zweifel an ihrer Unabhängigkeit auch noch ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Oder, ist jetzt die Stabilisierung überschuldeter Euro-Staaten das neue vorrangige Ziel der EZB und nicht mehr die Verpflichtung zur Preisstabilität? Die Sparer würden es gerne wissen, Frau Lagarde weiß es sicher.

Peter Morstein, Rankweil